12 Monate, 12 Resolutionen: die Definition von Wein

31 Jan 2024

Die OIV feiert ihr 100-jähriges Bestehen und gedenkt damit eines Jahrhunderts im Dienste des Weinbausektors. Besonders durch ihre Resolutionen spielt die OIV eine grundlegende Rolle für den Sektor. In diesem Jubiläumsjahr möchten wir 12 Resolutionen herausstellen. Jeden Monat werden wir den Fokus auf eine OIV-Resolution richten, die die Weinwelt geprägt hat.

 

Was könnte besser sein, als mit der grundlegenden Resolution der OIV zu beginnen: der Definition von Wein.

Ursprung


Die Internationale Organisation für Rebe und Wein (OIV) wurde 1924 gegründet, um den Herausforderungen zu begegnen, denen sich der Weinsektor damals gegenübersah. Dazu zählten insbesondere die Prohibition und der unlautere Wettbewerb zwischen Weinen aus frischen Trauben und künstlichen Weinen wie solchen aus getrockneten Trauben.

 

Die Definition von Wein: von den ersten Schritten bis zur Anerkennung

 

Im Bewusstsein dieses Ungleichgewichts und der Betrugsprobleme verabschiedete die OIV in ihren ersten Resolutionen eine Definition von Wein: „nur ein Erzeugnis, das durch die alkoholische Gärung von frischem Traubenmost gewonnen wird, darf als Wein bezeichnet werden.“1.

Die Resolution von 1928 war jedoch zunächst nur der Ausdruck eines Wunsches. Erst 1973 wurde die OIV-Definition von Wein anerkannt. Seit diesem Datum ist Wein „ein Getränk, das ausschließlich durch vollständige oder teilweise alkoholische Gärung frischer, gepresster oder nicht gepresster Trauben oder aus Traubenmost gewonnen wird. Sein Gehalt an vorhandenem Alkohol muss mindestens 8,5 Volumenprozent betragen“2.

Durch diese Definition von Wein bietet die Bezeichnung „alkoholische Gärung“ auch eine legitime Anerkennung aller önologischen Methoden und Verfahren, deren Zweck es ist, die alkoholische Gärung zu gewährleisten und den Verderb des Weins zu verhindern3

 

Die OIV-Definition von Wein in der Praxis


Eine Resolution ist von Natur aus nicht bindend. Um auf nationaler Ebene in Kraft treten zu können, muss die Resolution von einer nationalen Behörde in nationales Recht übertragen werden. Aufgrund ihrer Rolle als maßgebende wissenschaftliche und technische Instanz dienen die Resolutionen der OIV häufig als Modell für nationale Vorschriften. Zum Beispiel übernahm der Libanon im Jahr 20004 die von der OIV angenommenen Definitionen von Most und Weinarten in ein Gesetz.

 

Ebenso orientiert sich die Europäische Union bei ihrer Definition von Wein in der EU-Verordnung5, die für die 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union gilt, an der OIV-Definition.

Manchmal beziehen sich auch Nicht-Mitgliedsstaaten der OIV auf die Definition von Wein, die von der OIV angenommen wurde, wie im Fall der Volksrepublik China mit dem Standard G15037-20066.

Auf internationaler Ebene ist die OIV für ihre Arbeit anerkannt, insbesondere für ihre Produktdefinitionen7. Der CODEX Alimentarius verweist in seinen Deskriptoren insbesondere auf den Kodex der önologischen Praxis der OIV.
 
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich die Definition von Wein nicht nur auf ein Erzeugnis reduziert, sondern auch die Anwendung von önologischen Verfahren bei der Weinherstellung legitimiert.

Darüber hinaus ist die Anerkennung der OIV durch den CODEX Alimentarius von grundlegender Bedeutung, um die Gesundheit der Verbraucher zu schützen und einen Handel ohne technische Hindernisse zu garantieren. Infolgedessen tragen diese verschiedenen Anerkennungen zur Schaffung eines kohärenten regulatorischen Umfelds bei, das die Harmonie und das Einvernehmen innerhalb des Weinsektors fördert. 

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1 C 2/28-OEN Definition der Bezeichnung Wein
2 AG 18/73-OEN Aktualisierung der Merkblätter des Kodex der technologischen Behandlungen der Reberzeugnisse
3 P. RAILHAC, L’Office international du vin, 1928, S.57
4 Gesetz Nr. 216 vom 30. Mai 2000
5 VO (EU) Nr. 1308/2013, Anhang VII Teil II 1. „Der Ausdruck „Wein“ bezeichnet das Erzeugnis, das ausschließlich durch vollständige oder teilweise alkoholische Gärung der frischen, auch eingemaischten Weintrauben oder des Traubenmostes gewonnen wird“.
6 Standard G15037-2016, Punkt 3.1 „refers to fermented wines that have fresh grapes or grape juice as raw material, are made through full or partial fermentation, and contain a certain degree of alcohol content“.
7 CAC/41 INF/8 Gemeinsames FAO/WHO-Programm für Lebensmittelstandards, Kommission „Codex Alimentarius“, 41. Sitzung, 2. bis 6. Juli 2018 in Rom (Italien)